2019 Klimahysterie

 

Pressemitteilung der Jury: Wahl des 29. „Unworts des Jahres“

„Mit dem Wort „Klimahysterie“ werden Klimaschutzbemühungen und die Klima-schutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert. Der Ausdruck wurde 2019 von vielen in Politik, Wirtschaft und Medien – von der F.A.Z. über Unternehmer bis hin insbesondere zu AfD-Politikern – verwendet. Er pathologisiert pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose. Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel ist das Wort zudem irreführend und stützt in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen.
Der Ausdruck „Klimahysterie“ wurde 9x eingesandt.“

In diesem Jahr verlegen wir die Ausstellung vom analogen in den digitalen Raum.
Aufgebaut war sie im Kunstforum der TU Darmstadt; besuchen kann man sie hier.

360° Tour der Ausstellung im Kunstforum: Link
Alle Videobeiträge auf unserem YouTube Kanal: Link


 

Stefan Daub

menschengemacht


„Landschaft“ ist ein vom Menschen wahrgenommenes Gebiet, dessen Charakter das Ergebnis der Einwirkung und des Zusammenwirkens natürlicher und/oder menschlicher Faktoren ist;
Europäische Landschaftskonvention (Artikel1, Nr. a)

 

 

Jan Nouki Ehlers

Klimahysterie ein Generationenkonflikt? Die Thematik bezeichnet für mich den Konflikt zwischen der elektrisierten Teenager-Generation, die ihre Eltern-Generation in der Masse für ihre Lebensweise, ihre Profitgier und ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber unserem Planeten mit dem Satz: „how dare you“ attackiert und beurteilt. Die Eltern-Generation bügelt Kritik und Vorwürfe der Nachfolgegeneration mit Überheblichkeit und unerfüllbaren Parolen, wie:
„Macht es doch besser“ ab. Daraus resultieren meine zwei Bilder, die eine Analyse der Situation sind und kein Aufruf zur Aktion.

Bild 1: Vater frisst Kinder
Das Aberkennen des Rechtes, etwas zu kritisieren, weil man selber noch nichts geleistet hat, ist, wie jemanden mundtot zu machen. Schon in der griechischen Sage frisst der Titan Kronos, seine Kinder, um seine Macht zu erhalten, damit er sich nicht ihrem Gericht stellen muss.

Bild 2: „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“
Schon 2006 gab es einen alarmierenden Kinofilm des US-Vizepräsidenten Al Gore, der mit dem Symbol des Eisbären auf den Klimawandel hinweist. Dieser Film wurde weltweit in Schulen aufgeführt, auch gegen Proteste der Eltern. In England mussten z.B. kritische Kommentare zum Klimawandel im Vorwort relativiert werden. Dieser Film bewirkte in der damaligen
Schülergenerationen nicht allzu viel. Erst jetzt, wo eine der ihren, mit ihrem eigenen weltweit funktionierenden Medium, Instagram, ohne Hilfe oder Segen der Erwachsenen, Forderungen stellt und anprangert, identifiziert sich die Nachfolgegeneration mit den Forderungen zum
Klimaschutz und richtet, so wie zum Beispiel die 68er Generation damals, über ihre Elterngeneration. Dass es in diesem Fall Schüler sind und keine Studenten, ist erwähnenswert.

Zum Bild :
Das Auto dient ausschließlich als Symbol des Erwachsenseins. Es steht nicht als Symbol des CO2-Ausstoßes. Dass eine bestimmte Automarke sich in der CO2-Debatte unmoralisch verhalten hat, muss nicht weiter erläutert werden.

Wer in George A. Romeros Meisterwerk „Die Nacht der lebenden Toten“ von 1968, die Eltern mordende Tochter, in der Protagonistin auf dem Bild als Zitat wiedererkennt, liegt übrigens vollkommen richtig. Zum Songtitel von „Ton Steine Scherben“ muss ich wohl nichts sagen.

 

 

Julia Essl

Klimahysterie


Das Klima spielt verrückt, der Mensch reagiert hysterisch.
Macht das Sinn?
Das Instituto Terra, welches von Lelia und Sebastiao Salgado ins Leben gerufen wurde, hat mich sehr beeindruckt. Sie zeigen, dass es sich lohnt, mit Geduld und Achtsamkeit etwas für das Klima zu unternehmen. Sie starteten ihre erste Aufforstung in ihrer Heimat Brasilien. Nach ca. 15 Jahren war es vollbracht. Die Bäume waren ausgewachsen, Tierarten siedelten sich von
selbst wieder an, neue Wasserquellen sind entsprungen.


Bild 1 zeigt einen jungen Baum
Er steht für einen Klimaschützer und -retter. Noch ist er sehr zerbrechlich, man muss sich mit viel Geduld um ihn kümmern, bis er stark genug und gesund ist, um seinen positiven Beitrag zum Klima leisten zu können. Dies dauert (je nach Baumart) ca. 15-18 Jahre.


Bild 2 zeigt ein junges Kind
Es steht ebenfalls für unsere Klimaschützer und -retter. Auch dem Kind muss viel Geduld und Fürsorge entgegengebracht werden, damit es gesund aufwachsen kann. Dies dauert (in der Regel) ca. 15-18 Jahre. Um wieder ein Gleichgewicht unseres Klimas herzustellen, muss uns klar werden, dass Mensch und Natur im Einklang leben müssen. Dafür brauchen wir Geduld und ein Umdenken. Wir brauchen in Zukunft Menschen, die von Anfang an schlauer und
nachhaltiger handeln, als wir es bisher getan haben.

 

 

Albrecht Haag

Auf einer Skitour gibt es diesen Moment, wo man in einen Hang hinein läuft – und nicht sicher sein kann, ob die Schneedecke trägt und der Hang stabil bleibt. Für unsere Sinnesorgane sind viele Anzeichen dieser Gefahren nicht wahrnehmbar.
Mit zusätzlichen Informationen, Erfahrung und präventiven Maßnahmen findet sich vielleicht ein Weg durch das verlockende Gelände – oder es gibt gute Gründe zur Umkehr. Verzicht kann lebensrettend sein – aber auch verdammt uncool.


Durch den menschengemachten Klimawandel treten mehr und früher in der Wintersaison »Grundlawinen« auf. Dieser Typ Lawine ist sehr schwer einzuschätzen und ist im Schadensausmaß eines der gefährlicheren Szenarien, weil die komplette Schneedecke bis zum Grund anreißt und abrutscht. Die wärmeren Frühwinter tragen zu einem schlechteren Schneedeckenaufbau bei.

Corona-Update:
Dass ich diese Bilder vor nicht allzu langer Zeit in Tirol gemacht habe, hat mich beinahe sozial isoliert. Nicht aber der Umstand, dass dafür knapp 100 Liter Diesel verbrannt wurden.

 

 

Jens Mangelsen

Energieverbrauch


In 2019 wurde der Versuch, ein Tempolimit von 130 km/h in Deutschland einzuführen im Bundestag erneut abgelehnt. Rein physikalisch reduziert sich der Energiebedarf je gefahrenen km bei 130 km/h um ca. 25 % gegenüber 160-180 km/h. Unser Energieverbrauch hat also maßgeblichen Einfluss auf den Ausbaubedarf erneuerbarer Energien und somit direkten Einfluss auf den Vorwurf der
Klimahysterie. Tatsächlich wird der Energieverbrauch beim Vorwurf der Klimahysterie derzeit nicht berücksichtigt.

Energieerzeugung


In den letzten Jahren sind speziell Windparks und Solarfarmen zum Inbegriff der sogenannten Klimahysterie geworden. Wer aber nur die Energieerzeugung betrachtet, ignoriert den Verbrauch. Beim Verkehr beträgt der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland derzeit 5.6 %. Es sind also weiterhin erhebliche Anstrengungen notwendig. Der
Bedarf für deutlich mehr Windparks und Solarfarmen erscheint unter diesen Vorzeichen unumgänglich. Wie viele
mehr, hängt in erster Linie vom Wachstum unseres Verbrauchs ab.

 

 

Sebastian ReimolD

Eine Frage der Wahrnehmung


Zum Ende des Winters gibt es das schön anzusehende Ritual, Weihnachtsbäume zu verbrennen. Man sieht die lodernden Flammen, spürt die Hitze und erfreut sich des Glühweins.
Ohne Ritual verbrennen wir dagegen täglich im Verborgenen große Mengen fossiler Brennstoffe. In Kohlekraftwerken, Heizungsanlagen und Verbrennungsmotoren werden immense Mengen Braunkohle, Erdöl und Gas verheizt. Als Effekt erleben wir den Komfort in Form von Heizungswärme,
Strom und individuellem Transport, blenden die Klimaerwärmung jedoch aus. Denn als weiterentwickelte Primaten haben wir gelernt, Gefahren primär über die optische Wahrnehmung zu erfassen, während wir kognitiv erkannte Gefahren gerne verdrängen. Statistisch betrachtet verbrennt jeder von uns in Deutschland ein fossiles Energieäquivalent von ca. 28 Tannenbäumen pro Woche bzw. 125 pro Monat oder 1500 pro Jahr. Würden wir das alles offen als rituelle Handlung im Freien durchführen, wäre uns das Problem der damit verbundenen Klimaerwärmung vermutlich bewusster.

Wir haben ein elementares Problem


Die Meere der Erde bedecken rund 71 % der Erdoberfläche und wirken im Klimasystem wie ein gigantischer Wärme- und Kältespeicher. Schon kleine Temperaturschwankungen führen dazu, dass sich das maritime Ökosystem langfristig verändert und bestimmten Arten ihre Lebensgrundlage entzogen wird.
Denn je wärmer das Wasser wird, desto weniger Sauerstoff kann es aufnehmen und speichern. Dies führt z.B. dazu, dass Algen, die mit Korallen eine Symbiose eingehen, Gifte absondern. In der Folge übersäuern die Korallen und sterben ab. Andere Populationen, wie z.B. Quallen, vermehren sich dagegen rapide und können zur Plage werden. Wenn wir das maritime Ökosystem zerstören, riskieren wir langfristig unsere
Nahrungsgrundlage.

 
 

 

Jens Steingässer

Jane Goodall - Vision & Handlung

1991 gründete Jane Goodall mit Kindern in Tansania die Aktion Roots & Shoots („Wurzeln und Sprösslinge“), die inzwischen bereits in über 40 Ländern aufgegriffen wurde. In den diversen Roots & Shoots-Gruppen sollen vor allem Kinder und Jugendliche eigene Ideen und kleine Projekte im Bereich Natur- und Umweltschutz entwickeln, um so zur Verbesserung sowohl des menschlichen als auch des tierischen Lebens auf der Erde beizutragen.


Wikipedia

„Wurzeln kriechen überall unter der Erde und bilden einen festen Boden. Pflanzensprösslinge scheinen sehr zart, aber um Licht zu erreichen, können sie Mauern durchbrechen. Stellt Euch vor, dass diese Mauern all unsere Probleme darstellen, die wir unserem Planeten auferlegen. Hunderte und tausende junger Wurzeln und Sprösslinge auf der gesamten Welt können diese Mauern durchbrechen, um unsere Welt zu verbessern.“


Jane Goodall

 

 

Rahel Welsen

Schluss mit lustig!


Familie Blohm betreibt einen Bio-Obsthof im Alten Land, Niedersachsen. Gemeinsam mit Greenpeace und zwei weiteren Familien verklagte sie 2019 die Bundesregierung,
da diese die Einhaltung der Klimaziele für 2020 nicht weiter verfolgt und sie damit in ihrer Existenz bedroht. "Die Durchschnittstemperatur im Alten Land ist in den vergangenen 30 Jahren bereits um über 1°C gestiegen und die Familie Blohm spürt die Auswirkungen der Klimakrise unmittelbar. Im Jahr 2016 musste Familie Blohm ihre Kirschbäume auf einer Fläche von circa 4 Hektar fällen, da sie von der Kirschfruchtfliege befallen waren – einem Insekt, das ursprünglich viel weiter südlich heimisch war.
Im Frühjahr 2017 war der Hof extremen Niederschlägen, Hagel und Sturm ausgesetzt und hat massive Schäden durch Staunässe erlitten. Die Wurzeln ganzer Baumreihen waren schlichtweg ertrunken. Im Dürresommer 2018 litt der Betrieb zusätzlich unter der extremen Hitze und Trockenheit und musste weitere Einbußen verkraften."


(Quelle: V.i.S.d.P. Anike Peters, Greenpeace e.V. / Stand: 10/2018)

Warme Weihnacht!

"Endlich können wir Darmstädter feiern wie unsre australischen Freunde. Fröhlich warme Weihnacht am See - geiles Lebensgefühl. Und die Freunde wollen jetzt auch zu uns, nächstes Mal: weniger pralle Sonne zwar, aber eben auch weit und breit
kein Ozonloch. Heißt: gefahrlose Weihnachten, yeah! Nur, dass wir hier jetzt gucken müssen, unsern Apérol-Spritz immer kühl zu halten beim Open-Air-Christmas, das nervt. War früher leichter. Naja, man kriegt eben nie alles, was man will."





 

 

Andreas Zierhut

1. Mose 1:28


Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan, und herrschet über Fische im Meer und über Vögel unter dem Himmel und über alles Tier, das auf Erden kreucht.


(Bibelzitat aus der Schöpfungsgeschichte, Auftrag Gottes an Adam und Eva)